Der Termin steht, der Fotograf kommt. Und jetzt stehst du vor dem offenen Kleiderschrank und die Panik steigt langsam auf. Das karierte Lieblingshemd? Oder doch lieber der schwarze Rollkragen? Passt das Sakko noch?
Keine Sorge. Die Frage nach der Kleidung ist die häufigste Frage, die uns vor einem Shooting gestellt wird. Als Business-Fotografen sehen wir jeden Tag, was vor der Kamera funktioniert und was eher schwierig ist. Damit du beim nächsten Shooting mit Warkentin.design glänzt, habe ich hier die wichtigsten Dos & Don’ts für dich ausführlich zusammengefasst.
Das wichtigste Gesetz: Wohlfühlen > Verkleiden
Bevor wir über Farben und Schnitte reden, die goldene Regel: Zieh nichts an, was sich wie ein Kostüm anfühlt. Wenn du im Büro nie Krawatte trägst, fang nicht beim Fototermin damit an. Man sieht dir sofort an, wenn du dich unwohl fühlst oder dir der Kragen die Luft abschnürt. Ein Business-Foto soll zeigen, wer du bist – die beste Version von dir im Arbeitsalltag.
- Start-up & Kreativbranche: Hier darf es locker sein. Ein gepflegtes T-Shirt, ein hochwertiger Hoodie oder ein Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln signalisieren „Hands-on-Mentalität“.
- Finanzwesen, Recht & Consulting: Hier erwarten Kunden Seriosität. Der Anzug oder das Kostüm sind oft Pflicht, aber auch hier gilt: Es muss gut sitzen!


Die Sache mit der Passform (Fit is King)
Die Kamera ist gnadenlos, wenn es um die Passform geht.
- Zu weit: Ein Sakko, das an den Schultern zu breit ist („Sack-Optik“), lässt dich schnell 10 Kilo schwerer und weniger dynamisch wirken.
- Zu eng: Ein Hemd, bei dem die Knöpfe spannen, wirkt unruhig und unprofessionell.
Probier deine Kleidung unbedingt ein paar Tage vor dem Shooting an. Sitz alles noch? Falls nicht: Lieber das gut sitzende Poloshirt als das schlecht sitzende Hemd.
Vorsicht vor dem „Moiré-Effekt“ (Warum die Kamera Karos hasst)
Hast du schon mal im Fernsehen gesehen, wie ein Jackett mit engen Streifen oder kleinem Karomuster plötzlich anfängt zu flimmern und komische Wellen zu schlagen? Das nennt man Moiré-Effekt.
Digitale Kamerasensoren bestehen aus Rastern. Wenn dein Kleidungsmuster (z.B. Fischgräten oder kleine Karos) sich ungünstig mit dem Sensor-Raster überlagert, entsteht dieses Flimmern.
- Vermeide: Kleine Karos (Vichy), sehr enge Nadelstreifen, feine Texturen.
- Wähle: Einfarbige Stoffe oder sehr grobe, große Muster. Damit bist du technisch auf der sicheren Seite und das Bild wirkt ruhiger.


Farben: Wem steht eigentlich was?
Generell gilt für Unternehmensfotos: Weniger ist oft mehr. Knalliges Neon oder riesige Markenlogos lenken vom wichtigsten Teil des Bildes ab – deinem Gesicht und deinen Augen.
- Dunkle Farben (Navy, Anthrazit, Schwarz, Dunkelgrün): Wirken kompetent, ruhig und autoritär. Sie sind zeitlos und bilden einen schönen Kontrast zum Gesicht.
- Helle Farben (Beige, Hellblau, Grau, Weiß): Wirken freundlich, nahbar und offen. Ideal für Vertrieb, HR und Service-Bereiche.
Extra-Tipp für Brillenträger: Achte darauf, dass deine Brille gut geputzt ist. Wir können Lichtreflexe steuern, aber Fingerabdrücke sieht man. Und ganz wichtig: Wenn du eine Brille hast, die sich bei Sonnenlicht selbst tönt (phototrop), bring bitte unbedingt deine normale Ersatzbrille mit! Im Studio nutzen wir Blitzlicht, und draußen Tageslicht – wir wollen nicht, dass du aussiehst wie ein Geheimagent mit Sonnenbrille.
Der Zwiebel-Look und Accessoires
Du kannst dich nicht entscheiden? Bring eine Auswahl mit! Wir lieben Layering (Schichten). Ein Jackett über dem T-Shirt oder ein offenes Hemd über einem Shirt wirken oft interessanter und dreidimensionaler als nur ein „glattes“ Oberteil. Außerdem können wir so in 5 Minuten zwei völlig verschiedene Looks fotografieren: Einmal seriös mit Sakko für die Website, einmal locker in Hemdsärmeln für LinkedIn.
Denk auch an Details: Eine schöne Uhr oder dezenter Schmuck können Akzente setzen, sollten aber nicht ablenken.
Im Zweifel gilt immer: Lieber ein Teil zu viel dabei haben als eins zu wenig. Wir schauen dann vor Ort gemeinsam, was am besten zum Hintergrund passt.


